Richtlinien

Richtlinien der Julius-Maximilians-Universität Würzburg für die Vergabe von Stipendien aus Mitteln der Gemeinnützigen Hermann-Niermann-Stiftung


Studienbörse Germanistik
§ 1
Allgemeines

Die Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) vergibt aus Mitteln der Gemeinnützigen Hermann-Niermann-Stiftung nach diesen Richtlinien Stipendien der Studienbörse Germanistik. Dadurch sollen Studienaufenthalte zur Aus-, Fort- und Weiterbildung am Institut für deutsche Philologie der JMU ermöglicht werden.

Die Richtlinien sind zum Gegenstand der Bewilligung zu machen und müssen vom Bewerber bei der ersten Mittelanforderung und von der Stipendiatin / dem Stipendiaten bei der ersten Bewilligung anerkannt werden.

Die bewilligten Mittel stehen nur für den in der Bewilligung genannten Zweck und nur in der bewilligten Höhe zur Verfügung. Zusätzliche Mittel können nicht bereitgestellt werden. Die Mittel sind sparsam und wirtschaftlich zu verwenden.

Die bewilligten Mittel sind über die Einnahme- und Ausgabetitel des Haushalts der JMU abzuwickeln und nach den gesetzlichen Vorschriften zu bewirtschaften.

§ 2
Arten der Stipendien

Die von der JMU und der Gemeinnützigen Hermann-Niermann-Stiftung zum 01. September 2006 eingerichtete Studienbörse Germanistik soll ausschließlich der Eliteförderung qualifizierter ausländischer Germanisten dienen. Sie richtet sich an Bewerber und Bewerberinnen aus den folgenden Ländern: Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Estland, Kosovo, Kroatien, Lettland, Litauen, Mazedonien, Montenegro, Polen, Rumänien, Serbien, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn. Unterstützt werden im Einzelnen fünf Förderlinien:

a) Kurzaufenthalte (= Förderlinie K):

  • Die Förderung von Kurzaufenthalten dient dem Zweck der qualifizierten Vorbereitung zum Abschluss eines Master-Studiums. Die Master-Thesis selbst muss an der entsendenden ausländischen Universität eingereicht und das Master-Studium muss dort abgeschlossen werden. Voraussetzung für eine Bewerbung um ein Stipendium ist, dass Bewerberinnen und Bewerber an einer wissenschaftlichen Hochschule des Heimatlandes als Studierende der Germanistik eingeschrieben sind und den Bachelor-Abschluss oder eine vergleichbare Qualifikation erworben haben.
  •  Höhe des Stipendiums: monatlich € 800,-
  •  Förderungsdauer: 1 – 2 Monate.

b) Studienaufenthalte (= Förderlinie S):

  • Studienaufenthalte dienen dem Zweck, ein möglichst hohes Niveau an germanistisch fundierter Sprach- und Analysekompetenz zu erreichen, das z. B. für angehende Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer an Schulen der deutschen oder deutschsprachigen Minderheiten in Ost-und Südosteuropa von außerordentlicher Bedeutung ist. Voraussetzung für eine Bewerbung um ein Stipendium ist, dass von der entsendenden ausländischen Universität bestätigt wird, dass der Studienaufenthalt im Sinne der Zwecksetzung in das Gesamtstudium, in der Regel ein MA-Studium der Germanistik, integriert werden kann und ein Bachelor-Abschluss vorliegt.
  •  Höhe des Stipendiums: monatlich € 800,-
  •  Förderungsdauer: ein Semester.

c) Postgraduiertenförderung (= Förderlinie G):

  • Postgraduiertenförderungen dienen dem Zweck, hervorragenden Absolventinnen und Absolventen der Germanistik eine Zusatzqualifikation in Form eines Master-Studiums zu ermöglichen. Voraussetzung für eine Bewerbung um ein Stipendium ist, dass Bewerberinnen und Bewerber das Germanistikstudium in ihrer Heimat im Rahmen eines Bachelor-Studiengangs an einer wissenschaftlichen Hochschule abgeschlossen haben und sie mit der Bewerbung ihr besonderes berufliches oder wissenschaftliches Interesse auf den Erwerb einer Zusatzqualifikation im Fach Germanistik, z. B. in den Bereichen MA-Germanistik oder MA-Germanistik als Fremdsprachenphilologie, darzulegen vermögen.
  • Höhe des Stipendiums: monatlich € 800,-
  • Förderungsdauer: ein Jahr, nach positiver Zwischenevaluation verlängerbar auf zwei Jahre.

d) Promotionsstudien (= Förderlinie P):

  • Die Förderung von Promotionsstudien dient dem Zweck, den wissenschaftlichen Nachwuchs im Fach Germanistik zu fördern. Insbesondere soll durch das Stipendium die Erarbeitung der Dissertation unterstützt sowie die Integration in die germanistische Forschungslandschaft in Deutschland vorangetrieben werden. Voraussetzung für eine Bewerbung um ein Stipendium ist, dass Bewerberinnen und Bewerber einen einschlägigen germanistischen Studienabschluss, in der Regel ein MA-Studium, im Rahmen eines 4- bis 5-jährigen Hochschulstudiums oder einen gleichwertigen Abschluss an einer wissenschaftlichen Hochschule im Heimatland nachweisen können, sowie ihre Promotion schon im Heimatland bei einer ausländischen Betreuerin / einem ausländischen Betreuer begonnen haben und einen Aufenthalt an der JMU anstreben. Den Bewerbungsunterlagen ist eine ausführliche Beschreibung des geplanten Forschungsprojekts inkl. Angaben zum Forschungsstand (insgesamt höchstens 10 DIN 4-Seiten) beizufügen.
  • Höhe des Stipendiums: monatlich € 1.000,-
  • Förderungsdauer: 1 – 6 Monate.

e) Habilitationsvorhaben (= Förderlinie H):

  • Die Förderung von Habilitationsvorhaben dient dem Zweck, den Hochschullehrernachwuchs im Fach Germanistik in den genannten Ländern sicherzustellen. Voraussetzung für eine Bewerbung um ein Stipendium ist, dass Bewerberinnen und Bewerber, die sich habilitieren wollen, von ihrer Heimatuniversität oder von der JMU ein entsprechendes Angebot erhalten haben. Den Bewerbungsunterlagen ist eine ausführliche Beschreibung des geplanten Forschungsprojekts inkl. Angaben zum Forschungsstand (insgesamt höchstens 12 DIN 4-Seiten) beizufügen.
  • Höhe des Stipendiums: monatlich € 1.500,– bis € 2.000,-,
  • Förderungsdauer: 1 – 12 Monate.

f) NEU Forschungsprojekte (= Förderlinie F):

  • Die Förderung von Forschungsprojekten dient dem Zweck, promovierten HochschullehrerInnen im Fach Germanistik für begrenzte Zeit die intensive Arbeit an einem fest umrissenen Forschungsprojekt zu ermöglichen und dabei an die aktuelle Forschung der Germanistik in Deutschland anzuknüpfen. Dadurch soll ein Beitrag zur Aktualisierung der germanistischen Forschung in den genannten Ländern geleistet und die regionale Stellung der deutschen Sprache und Literatur gestützt werden.
  • Den Bewerbungsunterlagen sind eine ausführliche Beschreibung des geplanten Forschungsprojekts inkl. Angaben zum Forschungsstand (insgesamt höchstens 10 DIN 4-Seiten) sowie Nachweise zur abgeschlossenen Promotion und zur Anstellung an einem universitären Institut für Germanistik beizufügen.
  • Höhe des Stipendiums: monatlich € 1.500,– bis € 2.000,-,
  • Förderungsdauer: 1 – 6 Monate.

Die Vergabevoraussetzungen des jeweiligen Stipendiums sind von der Bewerberin / dem Bewerber in ihrer / seiner Bewerbung darzustellen. In der Bewerbung soll eine Angabe über die beantragte Förderungsdauer (in Monaten) gemacht werden.

§ 3
Voraussetzungen für die Vergabe eines Stipendiums

Stipendien nach diesen Richtlinien können nur Studierenden, Doktoranden oder Wissenschaftlern für das Studium, die Promotion oder die Habilitation und für bestimmte Forschungs- bzw. Ausbildungszwecke gewährt werden. Stipendien werden nicht vergeben, sofern der Bewerber / die Bewerberin für die vorgesehene Ausbildungs- und Forschungszeit bereits ein anderes Stipendium erhält. Allerdings können Stipendien anderer Stipendiengeber aus der Studienbörse der Gemeinnützigen Hermann-Niermann-Stiftung bis zu einer Gesamtförderungshöhe gem. § 2 aufgestockt werden.

Die Stipendienempfängerin / der Stipendienempfänger darf im Zusammenhang mit dem Stipendium aus steuerlichen Gründen nicht zu einer bestimmten wissenschaftlichen Gegenleistung oder Arbeitnehmertätigkeit verpflichtet sein. Aus diesem Grund können Stipendien nach diesen Richtlinien nicht vergeben werden, wenn ein Zusammenhang der Forschungs- bzw. Ausbildungstätigkeit mit einer früheren, bestehenden oder künftigen Arbeitstätigkeit der Stipendiatin / des Stipendiaten an der Universität besteht, so dass das Stipendium durch ein früheres, bestehendes oder künftiges Beschäftigungsverhältnis veranlasst ist.

§ 4
Bewerbung und Vergabe des Stipendiums

Alle frist- und normgerecht eingegangenen Bewerbungen werden von der durch die Gemeinnützige Hermann-Niermann-Stiftung eingesetzten Prüfungs- und Koordinierungsstelle (PKS) der Studienbörse (z. Zt. Prof. Dr. Iva Zündorf) geprüft. Die PKS unterbreitet einem Auswahlgremium, das sich aus Vertretern der JMU und der Gemeinnützigen Hermann-Niermann-Stiftung zusammensetzt, Förderungsvorschläge zu den eingegangen Bewerbungen. Im Auswahlgremium werden die Förderungsmaßnahmen auf der Basis dieser Richtlinien beschlossen. Die Vergabe der Stipendien erfolgt nach Prüfung der sachlichen und gesetzlichen Voraussetzungen durch die JMU und nach Maßgabe der "Richtlinien der Universität Würzburg für die Vergabe von Stipendien aus Spenden oder Drittmitteln" in ihrer jeweils gültigen Fassung.

Die Studienförderung von Bewerberinnen und Bewerbern für Kurzaufenthalte und einjährige Studienaufenthalte kann erst nach Abschluss des 6. Semesters bzw. nach Abschluss des Bachelor-Studiums oder einer vergleichbaren Qualifikation an der ausländischen Heimatuniversität vergeben werden. Studien- / Förderungsbeginn ist in der Regel das folgende oder eines der nächsten Wintersemester.

§ 5
Inanspruchnahme der bewilligten Mittel

Für die Inanspruchnahme der von der Gemeinnützigen Hermann-Niermann-Stiftung bewilligten Stipendien durch die Empfängerin / den Empfänger gelten die nachfolgenden Regelungen:

  • Der Erhalt der Bewilligung des Stipendiums sowie die Einhaltung der damit verbundenen Auflagen und Bedingungen ist von der Stipendiatin / dem Stipendiaten zu erklären. In dieser Erklärung ist auch zu bestätigen, dass die Empfängerin / der Empfänger sich nicht um ein weiteres Stipendium beworben hat oder erhält.
  • Für die Stipendiatinnen und Stipendiaten besteht Residenzpflicht in Würzburg.
  • Die Stipendien sind steuerfrei gem. § 3 Nr. 44 EStG. Sie unterliegen nicht der Sozialversicherungspflicht, da sie kein Entgelt im Sinne von § 14 SGB IV darstellen.
  • Die Stipendien begründen kein Arbeitsverhältnis.
  • Über die bewilligten Mittel hinaus können weitere Leistungen (z.B. Beiträge zur Sozialversicherung, Beihilfen in Krankheitsfällen, Kindergeld usw.) nicht übernommen werden. Die Universität empfiehlt, dass die Stipendiaten im eigenen Interesse eine Kranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung abschließen; die Kosten hierfür können von der Universität nicht übernommen werden.
  • Während der Laufzeit und am Ende ihres Stipendiums legen die Stipendiatinnen / Stipendiaten regelmäßig kurze Arbeitsberichte vor.

§ 6
Widerruf, Rückforderung

Die Gemeinnützige Hermann-Niermann-Stiftung behält sich vor, die Bewilligung ganz oder teilweise zu widerrufen und einen Erstattungsanspruch geltend zu machen, wenn

  •     wichtige Gründe dazu Anlass geben, dass insbesondere der Stipendiumszweck erkennbar nicht erfüllt werden kann, weil die wissenschaftliche Eigenleistung für das Forschungsziel nicht ausreicht,
  •     die Bewilligung durch unrichtige oder unvollständige Angaben erwirkt worden ist,
  •     Auflagen nicht oder nicht innerhalb einer von der Universität gesetzten Frist erfüllt worden sind,
  •     die Mittel nicht zweckentsprechend verwendet worden sind.

§ 7
Inkrafttreten

Diese Richtlinien treten am 24.10.2017 in Kraft. Damit werden alle früheren Richtlinien außer Kraft gesetzt.

Würzburg, 24.10.2017

(gez.) Prof. Dr. Wolf Peter Klein
Vorsitzender des Auswahlgremiums
der Studienbörse Germanistik